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Nanette Ott

Mit grossen Grössen aus zweiter Hand Freude bereiten


Modetrends bestimmen Leben und Denken von Nanette Ott. Vor einem Jahr erfüllte sich die Direktionsassistentin eines Verbandes einen Traum: Die aparte Frau mit graziler Figur eröffnete vor einem Jahr in Solothurn die Second Hand Boutique «Grandios» für grosse Grössen. 

Nanette Ott selbst trägt die kleinste Konfektionsgrösse und ist bestrebt, dass sich auch Frauen mit Übergrößen preiswert und chic anziehen können. «Niemand braucht auf die Festtage eine Radikaldiät um gut auszusehen», lacht sie und schiebt nach, nur den passenden Look. Das Rüstzeug für das Beraten holte sie sich an der Textilfachschule in Zürich, arbeitete danach bei Knecht Mode im Einkauf und als Assistentin der verstorbenen Schweizer Modedesignerin Rita Pausset in Zürich. «Sie und ihr Geschäftspartner trugen grosse Grössen, entwarfen Kollektionen für üppige Körpermasse. Die Kleider wurden dann in Portugal und Indien genäht und damit Schweizer Versandhäuser beliefert. Von ihr habe ich viel gelernt und durfte auch eigene Ideen einbringen», erinnert sich Nanette Ott. Die nächste Station war ein internationales Textilunternehmen, an dessen Hauptsitz die Solothurnerin anheuerte. «Erst verdiente ich meine Sporen in der Kindermode ab. Dort gefiel es mir überhaupt nicht. Erst als das Unternehmen grosse Grössen einführte und Nanette Ott und ihre Chefin mit dem Umsetzen beauftragt wurden, fing die junge Mitarbeiterin Feuer. Der Label Name «Grandiosa» war ihre Idee. «Der neue Modezweig schlug ein wie eine Bombe. Ausser Unterwäsche boten wir die ganze Ausstattung – von Hosen und Röcken, über Blusen, Pullover und Shirts bis zu Mäntel und Jacken – in Übergrössen an», erzählt sie mit leuchtenden Augen. Gerne erinnert sie sich an die Modeschauen, die von Ex-Fernsehansager und seit Jahren als Stylist und Fotograf arbeitenden Jörg Kressig moderiert und von Promis wie Nella Martinetti besucht wurden. «Die staunten jeweils nicht schlecht, dass das Konzept für die Mode für Mollige ausgerechnet von zwei «überschlanken» Damen wie uns präsentiert wurde», schmunzelt sie. Als die Textilfachfrau mitten im Karrierehoch den Konzern verliess, kehrte sie auch der Modebranche den Rücken zu.

Von sportlich bis elegant
«Ich war um die Dreissig, wollte nicht mehr ständig unterwegs und auf Trab sein, sehnte mich nach einer Familie und Kinder», begründet sie die Rückkehr nach Solothurn. Mittlerweile besucht Tochter Ava die vierte Primarklasse und die alleinerziehende Mutter arbeitet seit fünfzehn Jahren als Direktionssekretärin eines Verbandes. «Während dieser Zeit hatte ich mit Kleidern nur privat zu tun. Doch die Modebranche fehlte mir enorm. Ich träumte immer von einem eigenen Geschäft. Nun hat sich diese Sehnsucht mit Grandios erfüllt»,  stellt sie fest. Einen Grundstock an Textilien anzulegen fiel ihr nicht schwer. Nanette Ott: «Im Gegenteil. Die meisten Frauen freuen sich, dass Teile, die sie nicht mehr tragen möchten anderen Damen Freude bereiten.» Zudem erlaubte ihr das Prinzip der Second Hand Boutique, ohne finanzielle Risiken ins Business einzusteigen. Alle Stücke nimmt sie lediglich in Kommission, teilt sich den Erlös mit den Lieferantinnen. «Allein von der Boutique könnte ich jedoch den Lebensunterhalt nicht bestreiten», gibt sie unumwunden zu. Ergo passte sie das Pensum beim Verband den Öffnungszeiten des Ladens an, wo sie Mittwoch den ganzen Tag, sowie am Donnerstag und Freitag am Nachmittag und am Samstag ganztags anzutreffen ist. Ihre Eltern unterstützen sie im Betreuen von Ava und Mutter Hedi Ott löst sie jeden zweiten Freitag und Samstag im Geschäft ab. «Sonst würde ich wohl ständig sechs Wochentage durcharbeiten», witzelt Nanette Ott. So vielseitig die Junggebliebene in ihren Interessen und Wirkungsfeldern ist, so breitgefächert präsentiert sich auch ihre Kleiderpalette. «Mir ist wichtig, für jedes Budget und für jeden Geschmack etwas Passendes im Sortiment zu haben. Von sportlich bis elegant, von erschwinglich bis luxuriös findet sich alles», erklärt sie. Selbst glitzernde Accessoires auf die Festtage fehlen nicht.           Silvia Rietz