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Giulietta Cocco

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Giulietta Cocco

Ein Leben für die Kunst


Wer den Namen Coco hört, denkt automatisch an Coco Chanel. Giulietta Cocco hingegen schreibt ihren Familiennamen mit Doppel-C, hat mit der berühmten Modedesignerin jedoch das Gespür für Farben und Formen gemeinsam, den Sinn für Originalität, Ästhetik und Qualität. Giulietta Cocco präsentiert ihre Werke am 20. Mai an der Messe «Open Spirit» im Landhaus Solothurn.

Giulietta Cocco liess bereits als Schülerin ahnen, dass Farbe und Ausdruck ihre Zukunft bestimmen werden. «Farbstifte waren mein grösstes Weihnachtsgeschenk. Als ich in der ersten Klasse eine Sonnenblume fertig zeichnen und ausmalen wollte, musste meine Nonna bis 18 Uhr auf mich warten», erinnert sie sich. Geboren in eine künstlerisch veranlagte Familie, der Vater war Architekt, die Mutter nähte Giuliettas Kleider, setzte sich bei der Tochter das Kreative durch. Auch wenn es wie eine abgedroschene Werbeformel klingt, Giulietta Cocco hat ihr Leben wirklich der Kunst gewidmet. Um frei und unabhängig wirken und werken zu können, verzichtete sie auf vieles, unter anderem auf Luxus und auf die Sicherheit eines regelmässigen Einkommens. Dies, weil sie von ihrer Mission, ihrer Kunst überzeugt ist. Obschon sie Ausbildungsstätten wie die Kunstgewerbeschule Lugano, die Designhochschule Krefeld, die Scuola di Ceramica in Faenza und verschiedenste Kurse und Seminare besuchte – ihre Technik und ihr Stil reiften in der Unmittelbarkeit des Schaffens. Giulietta Cocco benötigte keine Theorien. Gleichermassen erdverbunden und spirituell, formt sie ihre Intuition aus einer inneren Sicherheit heraus. Gestaltet was in ihr gewachsen ist. Giulietta Cocco: «Meine Arbeit wurde schon immer von einer höheren Kraft geprägt. Auch wenn es mir erst spät bewusst wurde. Mit Dreissig erkrankte ich an Brustkrebs und entschied mich gegen eine Operation. Ich wurde von etwas getragen und durfte geheilt werden, erlebte ein Wunder.» Aus diesem Impuls heraus entstanden Engel-Skulpturen und Engel-Bilder. Unter anderem der «Angelo della forza» und aus Glasfasern der dreiteilige, grossformatige «Engel des Segens». Giulietta Cocco: «Drei Einzelstücke mit freihängender Deckenmontage, als Ganzes betrachtet, lassen sich Flügel und ein Mittelpunkt erahnen.» Kürzlich entstand die erste Engel-Statue von 60 cm aus Carrara-Marmor. Dieses Lichtwesen wartet noch auf eine öffentliche Heimstätte um in m3 vergrössert zu werden. Für die Künstlerin sind Spiritualität und Kunst eine natürliche Verbindung, die mit der vielstrapazierten Esoterik nichts gemeinsam hat. «Was ist Inspiration anderes als ein Geschenk von oben», bringt sie es auf den Punkt.

Kurse in der Toskana
Vielseitig in ihrem Talent, drückt sich Giulietta Cocco mit verschiedenen Materialien und in unterschiedlichen Stilen aus. Nach den vielen Jahren der Keramik-Arbeit als «Formensucherin», widmet sie sich nun der Bildhauerei mit Marmor und anderen Gesteinen, ist im Bronzeobjekte giessen aktiv. «Die Steine sind Millionen von Jahre alt. Mir obliegt es, etwas Neues, das Jetzige, hineinzuformen.» So entstehen Skulpturen und Objekte von urtümlicher Schönheit. «In der Stille nehme ich die Visionen meiner Bilder und Formen bereits vage war», erklärt sie den Reife- und Schaffensprozess. Daraus speist sich das fast mystische Sendebewusstsein wie auch die Kraft, ihr Leben allen Widerständen zum Trotz der Kunst zu weihen. «Ich habe mich nie von einer Struktur bestimmen lassen, mich nie abhängig gemacht. Nur in dieser Freiheit konnte ich mich weiterentwickeln», fasst sie ihre Lebensphilosophie zusammen. Sohn Andrea hat sie alleine grossgezogen. Giulietta Cocco hat viele Jahre für Kinder und Erwachsene Kurse angeboten und plant auch diesen Sommer (vom 17. - 24. Juni sowie vom 24. Juni - 1. Juli) ein «Kreativ-Atelier» in der Toskana. «Es hat noch freie Plätze. Infos www.gcocco.ch», lacht sie. Das Motto von der «Reduktion zum Wesentlichen» lässt sich eben sowohl auf ihre Art den Alltag zu meistern wie auch auf ihre Kunst übertragen. Silvia Rietz