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«Wir sind enorm stolz auf unsere drei ex Junioren an der WM»

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«Wir sind enorm stolz auf unsere drei ex Junioren an der WM»

«Dass drei ex FC-Solothurn-Spieler im Schweizer WM-Aufgebot sind, macht uns enorm stolz»


Rony Vetter ist seit 22 Jahren beim FC Solothurn. An der WM in Katar sind drei Spieler im Aufgebot der Schweiz, die u.a. in in Solothurns Vorzeige-Nachwuchsabteilung ausgebildet wurden.  

Rony Vetter (56) ist seit 22 Jahren beim FC Solothurn und da vollamtlicher Leiter Nachwuchs. Als Ausbildungsklub ist der FCS national hoch angesehen und wertgeschätzt. So hat jüngst auch ein Junioren-Länderspiel im Stadion FC Solothurn stattgefunden. Vetter spricht als Kopf der Woche u.a. über die drei Ex-«Solothurner» im aktuellen WM-Aufgebot (Rieder, Steffen und Pickel auf Pikett), die «Fondue»-WM in Katar und ihre äusserst spannenden, sportlichen Aspekte, die beendete Partnerschaft mit dem FC Basel und die hoffentlich neue mit YB, die Zusammen-arbeit des FC Solothurn mit den Vereinen in derRegion, den angestrebten Aufstieg in die Promotion League, die aktuelle Saison, Elon Musk, Intelligenz als Erfolgsfaktor und wie er eine Million in den Klub investieren würde.

Rony Vetter, freuen Sie sich auf die WM?

Rein sportlich absolut – eine WM ist und bleibt das Highlight. Es könnte sogar die beste WM ever geben. Die Fragwürdigkeit des Austragungsorts ist unbestritten, stellt sich aber leider nicht zum ersten Mal.

Wieso die beste WM ever?

Die Spieler sind in Bestform. Sonst findet eine WM jeweils am Ende einer langen Saison mit 60-70 Spielen statt. Jetzt gibt es keine lange Vorbereitung, keinen Lagerkoller, keine ausgelaugten Spieler. Abgesehen davon ist es die erste WM, bei der man innerhalb von einer halben Stunde jedes Stadion erreichen kann. Rein sportlich spricht nichts dagegen, dass es eine Top-WM gibt! Andererseits gibt das auch einen anderen Rhythmus in den WM-Alltag einer Mannschaft, der sich unterschiedlich auswirken kann. Der Teamgeist wird wichtig sein, weil die Spieler mehr Freizeit haben.

Wer wird Weltmeister und wie schneidet die Schweiz ab?

Aufgrund der Situation können mit dem nötigen Glück 20 Teams Weltmeister werden; darunter auch die Schweiz. Die Nationen sind so eng zusammengerückt, dass es auch einen Überraschungsweltmeister geben kann. Andererseits kann die Schweiz selbst mit einer Topleistung in der starken Vorrundengruppe ausscheiden.

Was würde es für den Schweizer Nachwuchsfussball bedeuten, wenn die Schweiz tatsächlich einmal Fussball-Weltmeister würde?

Unsere Jungen haben heute ein ganz anderes Selbstwertgefühl als früher. Sie wollen gewinnen, sie wollen in die grossen Ligen. Ein WM-Titel würde da noch einmal für einen mächtigen Schub sorgen und den Glauben daran, dass alles möglich ist, auch für uns Schweizer, stärken!

Public Viewing gibt es nicht so heuer – mehr Fondue-Plausch und WM? Was machen Sie beim FC Solothurn – gibt es interne Viewings?

Wir haben beispielsweise den Staff-Vorrundenabschluss mit dem letzten Schweizer Gruppenspiel gegen Serbien geplant. Sicher werden wir Spiele während den Trainingszeiten mit den SpielerInnen zusammen anschauen. Das können wir z.B. mit einem Beobachtungsauftrag verbinden – so können die Jungs und Mädchen gleich noch etwas lernen.

Apropos Nachwuchs, der 20-jährige YB-Shooting-Star Fabian Rieder kam als 10-Jähriger von Koppigen nach Solothurn und hat beim FCS bis zur U-15 gespielt. Rieder sagt: «Die Arbeit mit Rony Vetter hat mich mental und persönlich geprägt und weitergebracht.» Jetzt steht er erstmals im Nati-Aufgebot. Macht schon stolz, oder?

Auf jeden Fall. Ich habe immer noch einen regen Austausch mit ihm. Er kommt immer wieder zu uns, um sich Spiele anzusehen. Die Verbindung zum FCS ist auch deshalb gross, weil der Lebenspartner seiner Mutter bei uns Trainer war. Es freut uns alle, dass Spieler wie Fabian Rieder, aber auch andere wie Charles Pickel oder Sülüngöz Berkay, die von ganz klein auf das Fussball-ABC bei uns lernten und jetzt im Profi-Business sind, uns besuchen, wenn sie in der Schweiz sind. Es ist schon unglaublich, dass mit Rieder, Pickel und Steffen drei EX-FC-Solothurn-Spieler im WM-Aufgebot sind.

Drei Ex-Solothurner-Junioren resp. Spieler an der WM – nicht schlecht?

Das macht uns enorm stolz und ist als Ausbildner wunderbar, um unseren Jungs und Mädchen aufzuzeigen, dass sie es genauso schaffen können. Auch aus unserer Region. Wir haben in Solothurn eine hervorragende Infrastruktur, da muss man nicht zuerst nach Bern, Zürich oder Genf. Das reicht später immer noch.

Wann merkt man, ob ein Spieler, eine Spielerin das Zeug hat, es ins Profilager zu schaffen?

Ich sage mal so: Auf Stufe U-13/U-14 (Footeco), wenn man erste nationale Vergleiche hat, lässt sich schon einiges sagen. Wobei der Kopf eine extrem wichtige Rolle spielt. Nicht alle haben eine Einstellung wie ein Fabian Rieder oder Pascal Bader oder Gökhan Inler.

 

«Unsere Partnerschaft mit Basel haben wir beendet. Nicht zuletzt aus logistischen Gründen möchten wir künftig gerne mit YB zusammenarbeiten.»

 

Da hilft dann u.U. auch das Talent nicht mehr. Wir hatten rein motorisch talentiertere Spieler bei uns als z.B. ein Rieder oder Inler, die es aber nicht geschafft haben. Vorab, weil ihnen die professionelle Einstellung gefehlt hat.

Hat der Sprung zu den Profis also auch mit der  Bildung zu tun? Ein schwedisches Forscherteam hat z.B. herausgefunden, dass die erfolgreichsten Fussballer auch intelligent sind.

Ich habe auch diesen Eindruck gewonnen, ja. Es schaffen es nicht mehr wirklich viele, die nicht auch ein gewisses Bildungsniveau aufweisen. Gerade der Leistungssport verlangt neben Athletik und Motorik immer stärker auch kognitive Fähigkeiten sprich Spielintelligenz, Raumwahrnehmung, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, Arbeitsgedächtnis, mentale Kapazität allgemein … das hat viel mit Intelligenz zu tun. Dies belegt die Kaderzusammensetzung unserer Fanionteams bei den Herren und Frauen, beweisen aber auch die Spieler, die an die nationale oder gar internationale Spitze gelangten. Ihr Bildungsniveau ist in vielen Fällen überdurchschnittlich. Wir gewichten diesen Bereich bei unseren Selektionen zunehmend stärker.

Es braucht aber auch den richtigen Trainer zur rechten Zeit?

Absolut. Der Trainer (in jungen Jahren sprechen wir lieber von Ausbildner) muss einem Talent auch das Vertrauen/die Chance geben. Und, noch wichtiger, auch an ihn glauben, wenn es mal nicht gleich von Anfang an funktioniert. Andererseits muss ein Spieler, eine Spielerin auch bereit sein, wenn diese Chance kommt diese dann auch zu nutzen. Das ist bei Fabian Rieder z.B. optimal aufgegangen. Gökhan Inlers Karriere dagegen hing lange an einem seidenen Faden. Via Basel, der Türkei, Aarau ging es dann bei Zürich richtig los. Da hat nicht viel gefehlt und er wäre nie Captain der Nati geworden und hätte 80 Länderspiele gemacht. Die Karriere hätte auch versanden können.

Wie steht es mit der Geduld? Im Eishockey gibt es z.B. Spieler, die in Bern als untalentiert aus dem Spitzen-Nachwuchs ausgemustert wurden und nachher eine grosse NHL-Karriere gemacht haben.

Hier haben wir in der Vergangenheit sicher auch nicht immer alles 100-prozentig richtig gemacht. Zu sehr auf messbare Leistungsdaten abzustellen, um 13-, 14-jährige Spieler zu qualifizieren, kann problematisch sein. Junge Spieler können plötzlich gewaltige Entwicklungsschübe machen. Diese zu antizipieren, ist sehr schwierig. Auch darum haben wir eine sog. Follower-Gruppe mit SpielerInnen gebildet, von denen wir sagen: Da ist Potenzial, aber es hat sich noch nicht voll an der Oberfläche entfaltet.

Wie viele von 1000 Junioren schaffen den Sprung an die absolute Spitze (A-Nationalteam)?

Einer von 1000 sagt man, und das kommt hin.

Die Besten der Besten des FC Solothurn gingen bisher ab Stufe U-15 (teilweise auch früher) nach Basel. Diese Zusammenarbeit besteht seit Kurzem nicht mehr. Wie geht es weiter mit der Partnerschaft zu einem Super-League-Klub?

Wir haben die Zusammenarbeit mit Basel im Sommer beendet, das ist richtig. Abgesehen davon, dass es in Basel zu sehr vielen Wechseln und Veränderungen im Nachwuchssektor kam, die sich suboptimal auf die Zusammenarbeit und Unterstützung auswirkten, möchten wir vordergründig aus logistischen Gründen künftig mit YB zusammenarbeiten. 75 % unserer Spieler wohnen näher zu Bern als Basel.

Im Moment gibt es keine Partnerschaft mit einem Topklub?

Im Moment nicht, nein. Bis im Frühling werden wir sehen, ob die Partnerschaft mit YB zustande kommt.

Eine Partnerschaft zu einer Profi-Organisation ist zwingend für die Struktur des FC Solothurn als Kantonales Leistungszentrum?

Absolut. Eine Partnerschaft ist auch vom Verband aus für uns vorgeschrieben. Wir müssen und wollen unseren Spielern einen Talentweg bis an die Spitze aufzeigen. Das können wir nicht allein. Bei uns geht der Weg bis in die 1. Liga – hoffentlich bald in die Promotion League, that’s it. Wir brauchen Support in finanzieller und personeller Hinsicht, der ebenfalls an einer Partnerschaft hängt. Stichwort Label-Gelder.

Eben, als Partnerklub eines Grossen werden Sie auch unterstützt?

Ja. Die Spitzenklubs haben ja auch ein Interesse daran, dass es den Partnervereinen optimal läuft. Nur so gibt es Inlers, Pickels, Rieders und so weiter. Die jungen Talente sollen bis zu einem gewissen Alter möglichst auf Toplevel trainieren, aber nicht aus ihrer Region herausgerissen werden. Das ist das Prinzip der Partnervereine, und das muss dem Leadverein auch etwas wert sein.

Das ganze Partner-Modell eine Stufe tiefer ist die Kooperation des FC Solothurn zu den Klubs in der Region – wie läuft es hier? Ist die Rolle des FCS als Leadklub inzwischen akzeptiert? Früher gab es hier ja viele Gärtlidenker, die der Meinung waren, dass der FCS auf ihre Kosten die besten Spieler abwirbt und dann noch Geld verdient mit ihnen   …

Die Zusammenarbeit ist viel, viel besser geworden. Wir sind als Talentförderverein in den meisten Fällen sehr gut akzeptiert. Heute stellen wir eine Liste mit SpielerInnen zusammen, die wir bei uns sehen und besprechen die mit den Stammvereinen. Die Entscheidung liegt letztlich beim Stammverein, ob die Spieler zu uns kommen oder nicht. Aktuell werden wir sehr gut unterstützt durch die regionalen Vereine. Primär ist es ja eine Unterstützung des Talentes und nicht des FC Solothurn.

Auch weil inzwischen vielen Vereinen klar geworden ist, dass auch sie als Stammverein von diesem Leistungszentrum-Modell profitieren? Es schafft es ja eben nur ein ganz kleiner Teil ins Profigeschäft; die anderen kommen oft besser ausgebildet wieder zum Stammverein zurück.

Genau. Bei uns sind das 90 bis 95 Prozent, die irgendwann wieder zum Stammverein resp. in die Region zurückkehren. Vielleicht nicht zum Stammverein, wenn der in der 4. Liga spielt; aber sicher in die 2. Liga.

Sie sind in dem Sinn in der genau gleichen Situation, wie die Stammvereine, wenn Sie Talente abgeben – nur eine Stufe höher?

Ja, wir investieren in die Ausbildung und irgendwann gehen die Spieler wieder entweder Richtung Football League oder zurück in die Region. Wir als FC Solothurn haben ja gar keine Struktur für Breitenfussball – 2. Liga, 3. Liga etc. gibt es beim FC Solothurn nicht. Wer nicht Nachwuchs oder 1. Liga spielt, verlässt uns irgendwann. Letztlich geht es hier primär darum, für den Spieler und nicht für sich als Trainer oder Klub zu denken, auch wenn Letzteres natürlich sehr nachvollziehbar ist.

Und es ist auch nicht so, dass der FC Solothurn finanziell von denen profitiert, die es ins Big Business schaffen – wie einem Rieder z.B.?

Geld haben wir in den letzten 20 Jahren bisher von drei, vier Spielertransfers bekommen. Sonst investieren wir wie gesagt in die Ausbildung der Talente und haben den Nutzen, dass wir Spieler für unser 1. Mannschaft rekrutieren dürfen. Die Spieler ihrerseits haben die Chance, in der Region 1. Liga zu spielen.

Die Akzeptanz des Modells hängt in dem Sinn immer auch stark davon ab, wie erfolgreich der FC Solothurn gerade unterwegs ist. Der Aufstieg in die Promotion League wäre hier schon sehr ideal?

Keine Frage – und wir waren ja auch schon sehr nahe dran. Aber eben, auch hier braucht es Glück, abgesehen davon, dass wir nicht mit eingekauften Spielern aufsteigen möchten, sondern basierend auf unserer DNA als Ausbildungsverein/Leistungszentrum mit sehr vielen Spielern, welche die Ausbildung bei uns durchlaufen haben. Das Ziel bleibt – und vielleicht gelingt es ja in dieser Saison – wer weiss?

Wenn der Aufstieg gelingen würde, würden evtl. auch die Spieler mit Solothurner Background, die heute schon bei YB oder Basel oder anderswo in der Promotion League spielen, wieder zurückkommen?

Die Chance wäre viel grösser – wer Promotion League spielt, will nicht retour in die 1. Liga.

Wie kann man die Ausbildung der einheimischen Talente noch optimieren?

Luft gibt es v. a. noch ganz unten – bei den Kleinsten. Hier können alle – auch wir, und da nehme ich den FC Solothurn gar nicht aus – noch besser werden. Wenn unsere Spieler ins jüngste Footeco-Fördergefäss kommen, FE-12 also, sind sie vis-à-vis von YB, Basel oder Servette oft nicht auf dem gleichen Niveau. Zuerst müssen wir dann 2 Jahre investieren, um aufzuholen.

Und wie stellen Sie sich das vor? Wollen Sie die Talente noch früher zum FCS holen oder via Ausbildung, Information etc. Richtung Nachwuchstrainer in den Klubs optimieren?

Ganz klar Letzteres. In dem Alter müssen die SpielerInnen unbedingt in ihrem Umfeld zu Hause sein. Es gibt aber Bestrebungen, übrigens auch von Verbandsseite, auf Vereinsebene Technische Leiter aus- oder weiterzubilden, welche die Trainer im Verein unterstützen, vor allem in der technischen Basisarbeit eine effizientere Förderung zu ermöglichen. Zumindest für diejenigen Kinder, die etwas mehr wollen und etwas mehr können. Eine Talentgruppe innerhalb der Kinderfussballabteilung kann hilfreich sein. Wir haben in Sichtungstrainings SpielerInnen, die schon fünf Jahre Fussball spielen und nicht 10-mal jonglieren können. Hier sind wir alle gefordert.

Also intensivere Trainings schon auf Stufe Kinderfussball?

Ja. Gerade die Trainings im Kinderfussball haben oft nicht die Intensität, um genügend Fortschritte zu erzielen. Intensität nicht nur im Sinne von mehr und schneller laufen, sondern vor allem mehr und dynamischere Aktionen mit Ball. Die «tote» Zeit (SpielerIn steht, hat keine Aktivität) muss zwingend runter. Toptrainer für den Kinderfussball zu finden ist sehr schwierig – die Organisationsformen so zu wählen, dass intensives Üben möglich wird, dagegen nicht. Hier braucht es den technischen Leiter oder bestqualifizierten Trainer des Vereins im Lead, um so die Ausbildner zu unterstützen, aber die Formen auch durchzusetzen. Ich setze grossen Hoffnung auf das neue Spielmodell «play more football», denn normalerweise üben die Ausbildner, was am Samstag gespielt wird.

Sie könnten auch als FC Solothurn eine Art Trainer-Academy anbieten. Z.B. in Form von Monats-Weiterbildungs-Event für interessierte Trainer? In der Klinik Obach gab es lange das Obach-Kränzli, als jeden Freitag ein Referat oder Vortrag (z.T. auf sehr hohem Niveau) als Weiterbildungs-Event für die Ärzte stattfand. Das wurde sehr rege genutzt und hatte zuletzt Kultstatus.

Diese Idee ist so im Raum und wir sind am Ausarbeiten. Wir können uns sehr gut vorstellen, hier etwas in die Richtung zu machen. Wäre sicher eine coole Sache.

Fabian Rieder kam auch ans U-19-Länderspiel der Schweiz zuletzt gegen Deutschland im Stadion FC Solothurn. War das der Anfang von mehr internationalen Spielen in Solothurn?

Solche Events sind für uns, die Stadt, aber auch die ganze Fussballregion Solothurn von grosser Bedeutung. Gerade auch infolge der in letzter Zeit durch die Stadt deutlich verbesserte Infrastruktur (Anm. Redaktion: neue Garderoben, 2. Kunstrasen, neuer Rasenplatz, Sanierung der Drainage, LED-Flutlicht) an den beiden Ausbildungsstätten (Stadion des FC Solothurn und Mittleres Brühl) und der zentralen Lage ist Solothurn auch in Zukunft sicherlich ein interessanter Austragungsort. Der Frauen-Cupfinal könnte hier ein Thema sein. Unsere Region muss zwingend mit dem nationalen Spitzenfussball verbunden sein. Ihn aus nächster Nähe zu beobachten, kann für Kinder, Jugendliche und uns Ausbildner bleibenden und motivierenden Eindruck hinterlassen.

Passt die Infrastruktur im Moment?

Wir sind mit dem, was ging, sehr zufrieden. Für punktuelle Optimierungen sind wir im regen Austausch mit der Stadt und stossen auf offene Ohren. Wir haben, trotz zweitem Kunstrasen im mittleren Brühl, nach wie vor von Herbst bis Frühjahr für den Breitenfussball und Spitzenfussball zu wenig Trainingsfläche. Wir haben die Idee platziert, auf dem Hauptfeld einen Kunstrasen einzubauen.

Wie betrifft sie die Stromproblematik?

Wir sensibilisieren Staff und SpielerInnen, stets mitzudenken und energiebewusst zu handeln. Aktuell gibt es aber keine Einschränkungen für den Trainings- oder Spielbetrieb.

Sie haben es angetönt, der Kanton Solothurn ist im Schweizer Männerfussball als höchstes der Gefühle mit dem FC Solothurn in der 1. Liga vertreten. Warum gelingt es nicht, eine Mannschaft im Profigeschäft, sprich der Challenge League, zu stellen?

Der Aufstieg in die Promotion League ist ganz klar unser Ziel. Wir hoffen, dass das möglichst rasch gelingt. Die Challenge League ist dann ein reiner Profibetrieb und dazu fehlen uns ganz klar die finanziellen Ressourcen. Ich bin der einzige vollamtliche Angestellte beim FCS. Bereits eine Liga höher bräuchte es mindestens 2 vollamtlich Angestellte mehr, um alle Anforderungen zu meistern. Die Challenge League würde nur zum Thema, wenn die Region ein echtes Interesse hat und einen solchen Weg auch in finanzieller Hinsicht pusht.

Zur aktuellen Saison. Vor Jahresfrist haben Sie den Trainer gewechselt – nach einer katastrophalen Heimbilanz. Jetzt sieht es viel besser aus?

Ja, es läuft erfreulich, obwohl wir gegenüber dem Vorjahr auch gute Spieler abgeben mussten resp. diese aufgehört haben. Wir konnten sechs Junioren in die 1. Mannschaft einbauen, wovon drei regelmässig spielen. Von da her sind wir unserer Philosophie treu. Mal sehen, wo wir nach dem letzten Spiel der Vorrunde stehen.

Was liegt nach der folgenden Winterpause noch drin?

Unser Ziel ist und bleibt die Promotion League. Das Potenzial, um die Aufstiegsspiele zu erreichen, haben wir. Wenn es ideal läuft, warum nicht? Bei den Frauen wollen wir sicher in der NLB bleiben.

Was würden Sie mit 1 Million machen, wenn Sie Ihnen morgen jemand für den FC Solothurn spenden würde?

Ich würde in die Struktur investieren und nicht in neue auswärtige Spieler. Ich würde den «Hintergrund» optimieren, damit da Leute, die heute ehrenamtlich für uns arbeiten, zumindest Teilzeit angestellt werden könnten. Z.B. im Bereich Marketing, Sekretariat, Geschäftsführung etc. So, dass wir hier die Voraussetzungen schaffen könnten, um im Herren- und Frauenfussball auch für höhere Ligen bereit zu sein.

Mit welchen Personen aus der Geschichte würden Sie gern an einem Tisch sitzen und eine Diskussion führen?

Nicht unbedingt aus der Geschichte. Mit Elon Musk oder Bill Gates zum Beispiel über ihre Visionen zu reden und wie sie daran geglaubt und ihre «unmöglichen» Ideen umgesetzt haben, wäre spannend. Vielleicht hätten sie ja auch noch den einen oder anderen Franken für den FCS.

Wie schalten Sie ab?

Sport treiben. Ich und meine Frau sind beide ausgebildete Sportlehrer. Wir biken gerne – mit dem E-Bike kann man auch Mal etwas grössere Touren machen. Im Winter hoffen wir auf genügend Schnee, um wieder tolle Schneeschuhtouren zu unternehmen. Und nicht mehr ganz auf alles verzichten. Tendenziell auch mal Nein sagen, es geht auch ohne mich, und weniger hinausschieben als früher.

Was steht noch auf der Bucket-List?

Die eine oder andere Reise – letzten Sommer waren wir in Costa Rica, dieses PURA VIDA, wäre ganz cool.

 

 

 

 

 

 

 

Interview Michael Schenk